SHOW – Shadows Over the WorldMethodik und Genauigkeit
Wofür SHOW gebaut wurde

Schnell erkennen, welche Finsternis sich beobachten lässt

SHOW gibt einen schnellen Überblick, wann an einem gewählten Standort eine Sonnen- oder Mondfinsternis sichtbar ist – und ob sich das Ereignis voraussichtlich für die visuelle Beobachtung oder Fotografie eignet.

ÜberblickEreignisse, Zeiten und Sichtbarkeit für einen konkreten Standort.
BeobachtungSonnen- oder Mondhöhe, Horizontlage und tatsächlich sichtbarer Anteil.
FotoplanungVerlauf, Himmelsrichtung, Lichtänderung und kompakter Beobachtungsplan.

SHOW ist ein Planungswerkzeug für Amateurastronomie und Astrofotografie, kein wissenschaftlicher Präzisionsrechner. Die Ergebnisse helfen bei der Entscheidung, ob und wie sich ein Ereignis beobachten lässt. Für Messkampagnen, Grenzlinienbeobachtungen oder sekundengenaue Spezialanwendungen sind weiterführende Referenzsysteme erforderlich.

Für wissenschaftliche und spezialisierte Anwendungen

Diese Angebote stellen detailliertere Referenzdaten, hochpräzise Ephemeriden oder Mondrandkorrekturen bereit:

Methode und Genauigkeit

Wie SHOW Finsternisse berechnet

Die folgenden Abschnitte beschreiben den Rechenweg, die Prüfung gegen publizierte NASA/Espenak-Daten und die Grenzen der Ergebnisse. Entscheidend ist nicht eine einzige „Genauigkeit“, sondern welche Größe betrachtet wird: Kontaktzeit, Bedeckung, Pfadmitte, Streifenrand, Horizontsichtbarkeit oder modellierte Einstrahlung.

Stand der Prüfung: 2. August 2026

1,44 kmAbstand des berechneten Punkts größter Finsternis 2026 zur NASA-Angabe
99,1–100,4 %berechnete Streifenbreite an 18 NASA-Stützzeiten der Finsternis 2026
0,207 Ppmittlerer Fehler des Karten-Bedeckungsgitters gegen ein 601-Frame-Referenzraster
±1′Entwurfsziel der zugrunde liegenden Astronomy Engine für astronomische Positionen

Genauigkeit ist kein einzelner Wert

Ein Zeitpunkt kann auf eine Sekunde berechnet sein, obwohl der reale sichtbare Kontakt wegen eines Mondberges einige Sekunden anders erscheint. Eine Zentrallinie kann kilometerweise stimmen, während der lokale Horizont durch einen nahen Hügel die Sonne vollständig verdeckt. SHOW trennt deshalb Rechengenauigkeit, Modellgenauigkeit und reale Beobachtungsbedingungen.

Numerische Genauigkeit

Wie fein Zeit, Geometrie und Gitter ausgewertet werden. Diese Fehler lassen sich messen und durch mehr Rechenaufwand verkleinern.

Modellgenauigkeit

Welche physikalischen Annahmen gelten: glatter Mondrand, Standardrefraktion, Meereshöhe für globale Pfade oder ein vereinfachter Klarhimmel.

Eingabegenauigkeit

Stimmen Beobachtungskoordinate und Höhe? Eine Stadtkoordinate ist nicht automatisch der Standort des Teleskops.

Nicht vorhersagbare Realität

Temperatur- und Druckprofil, Wolken, Aerosole, Gelände, Gebäude und die aktuelle Erdrotation sind keine festen astronomischen Konstanten.

Die Rechenkette

1 · EingabeBreite, Länge, Höhe, Zeitzone und Zeitraum
2 · EphemeridenPositionen und Entfernungen von Sonne, Mond und Erde
3 · GeometrieLokale Kontakte oder Schnitt des Schattenkegels mit der Erde
4 · DarstellungSichtbarkeit, Bedeckung, Pfad, Diagramm und PDF

Die astronomischen Grundpositionen und die Suche nach lokalen Sonnen- und Mondfinsternissen kommen aus Astronomy Engine. Die Bibliothek basiert auf VSOP87 und NOVAS-orientierten Verfahren, ist gegen NOVAS und JPL Horizons getestet und verfolgt ein Positionsziel von höchstens einer Bogenminute Abweichung.

SHOW ergänzt eigene Geometrie für Weltkarten, Zentrallinien, Streifenränder, Bedeckungs-Isolinien, Scheibenansichten, sichtbare Maxima am Horizont und Einstrahlung. Zahlen in lokalen Ereigniskarten stammen bevorzugt aus der Bibliothek; die Weltkarte ist eine unabhängige geometrische Darstellung. Diese Trennung verhindert, dass ein groberes Kartengitter eine präzisere Tabellenzahl überschreibt.

Lokale Sonnen- und Mondfinsternisse

Beobachter und Kontakte

Für den gewählten Ort wird ein topozentrischer Beobachter mit Breite, Länge und Höhe erzeugt. Astronomy Engine sucht die Kontaktzeiten und liefert Art, Maximum und Bedeckung. Höhe und Richtung werden mit Standardrefraktion berechnet. Die Höhe des Standorts fließt sowohl in diesen Beobachter als auch in das Klarhimmel-Strahlungsmodell ein.

Liegt das astronomische Maximum unter dem Horizont, sucht SHOW den Auf- oder Untergang innerhalb des Ereignisses und weist zusätzlich das tatsächlich rechnerisch sichtbare Maximum aus. Deshalb zeigt Trier am 26. Januar 2028 nicht nur nominal 67,2 %, sondern 32,1 % am sichtbaren Horizontdurchgang.

Drei verschiedene Bedeckungsgrößen

  • Fläche: bedeckter Anteil der Sonnenscheibe; dies ist der übliche Bedeckungsgrad.
  • Durchmesser: linear bedeckter Anteil; entspricht der Finsternisgröße oder Magnitude.
  • Licht: berücksichtigt, dass die Sonnenmitte heller ist als der Rand. Nur dieser Anteil wird für die Einstrahlung verwendet.

Mondfinsternisse

Die globale Ereignissuche kommt ebenfalls aus Astronomy Engine. SHOW berechnet für den Standort Mondhöhe, Richtung und das sichtbare Maximum. Kern- und Halbschatten werden geometrisch aus den scheinbaren Scheiben von Sonne und Erde vom Mond aus bestimmt. Die angezeigte Mondhelligkeit ist ausdrücklich nur ein Szenario für Danjon L=2; der Aerosolgehalt der Erdatmosphäre kann die reale Helligkeit stark verändern.

Globale Schattenpfade und Karten

SHOW verwendet keine vorgefertigten Besselschen Elemente. Stattdessen werden die geozentrischen Vektoren von Sonne und Mond aus dem J2000-System in das Äquinoktium des Datums und anschließend in das erdfeste System gedreht. Die Schattenachse wird direkt mit einem abgeplatteten WGS84-nahen Erdellipsoid geschnitten.

Der Zentralstreifen ist die Hüllkurve aller Momentanschatten. Ein Punkt gehört zum Streifen, sobald er zu irgendeinem Zeitpunkt total oder ringförmig getroffen wird. Das ist besonders nahe Bahnanfang, Bahnende und an Polbahnen wichtig, weil der Momentanschatten dort stark länglich ist.

Drei Mondradien nebeneinander sind Absicht: mittlerer Radius für die Scheibenansicht, polarer Library-Radius für die Sonnenbedeckung und Espenaks kleinere Umbralkonvention für den Zentralstreifen. Ein einheitlicher Radius wäre einfacher, aber messbar falscher.

Die Bedeckungs-Isolinien entstehen aus einem Zeitgitter: 29 Frames grenzen den betroffenen Bereich grob ein, 101 Frames berechnen ihn fein. Horizontdurchgänge werden zusätzlich zwischen den Frames interpoliert. Das Gitter ist für eine Karte optimiert, nicht für Tabellenwerte.

Prüfung gegen NASA/Espenak

Als Referenz dienen die von Fred Espenak für NASA/GSFC veröffentlichten Bahntabellen und Besselschen Elemente. Für den 12. August 2026 nennt die Referenz am Punkt größter Finsternis 65°13,5′ N / 25°13,7′ W, 294 km Streifenbreite und ΔT = 71,4 s. Die dortigen Mondkoordinaten beziehen sich auf den Massenschwerpunkt und enthalten laut Referenz noch keine Mondrandberge.

PrüfungNASA / SollSHOWAbweichung
Punkt größter Finsternis · 12.08.202665,2250 N / 25,2283 W65,2155 N / 25,2495 W1,44 km
Streifenbreite am Maximum · 12.08.2026294 km292,7 km−0,4 %
18 Streifenbreiten · 12.08.2026273–316 km99,1–100,4 % des Sollsmax. 0,9 %
Bahnanfang / Bahnende · 12.08.2026publizierte Grenzpunktedirekte Vektorgeometrie3,8 / 2,2 km
Streifenbreite · 02.08.2027258 km259,4 km+0,5 %
Streifenbreite · 22.07.2028230 km232,9 km+1,3 %
Polbahn · 30.03.2033NASA-Stützwerte102,8–104,7 %+2,8 bis +4,7 %
Kreuzende Streifenränder · 2026–204600 von 30 Pfadenbestanden
Isoliniengitter gegen 601 FramesReferenzrasterØ 0,207 Ppmax. 2,565 Pp

Die Referenz ist selbst kein beobachteter „wahrer Rand“, sondern eine publizierte Modellrechnung mit festgelegten Ephemeriden, ΔT, Mondradius und glattem Mondrand. Übereinstimmung bedeutet daher: SHOW reproduziert diese Konventionen in der für Reiseplanung und Amateurbeobachtung relevanten Größenordnung.

Warum der Rechner nicht beliebig genauer sein kann

GrenzeWarum sie bleibtKonkrete Bedeutung
EphemeridenAstronomy Engine ist bewusst kompakter als große JPL-Ephemeridendateien und zielt auf ±1 Bogenminute.Für lokale Amateurplanung sehr gut; keine Grundlage für geodätische Zentimeter- oder Millisekundenansprüche.
ΔT und ErdrotationDie unregelmäßige Erdrotation verbindet dynamische Ephemeridenzeit mit Weltzeit. Für zukünftige Jahre ist ΔT eine Prognose.Eine Sekunde Erdrotation entspricht 15″ Länge, am Äquator zunächst rund 0,46 km. Zusammen mit der Schattengeometrie können unterschiedliche ΔT-Annahmen einen Pfad um mehrere Kilometer verschieben.
Unregelmäßiger MondrandBerge und Täler am Mondrand widersprechen der glatten Scheibe. Die NASA beschreibt deshalb Graze-Zonen und eigene Limb-Korrekturen.Nahe einem Totalitätsrand kann statt stabiler Totalität nur eine Folge von Bailyschen Perlen sichtbar sein. Zweiter und dritter Kontakt können um Sekunden abweichen.
Atmosphärische RefraktionAm Horizont wird üblicherweise etwa 34′ angenommen; der reale Wert hängt von Druck, Temperatur und Schichtung ab.Bei Sonnenauf- oder -untergang kann die sichtbare Grenze grob um Minuten variieren. Eine berechnete Sonnenhöhe von 0,0° ist keine garantierte Sichtbarkeit.
Gelände und GebäudeSHOW kennt keinen 360°-Horizont des konkreten Beobachtungsplatzes.Ein 6° hoher Bergrücken verdeckt die Sonne beim Trier-Maximum 2026 trotz rechnerischer Sonnenhöhe 5,7° vollständig.
Standort und HöheGeoNames speichert meist eine Ortskoordinate; DEM-Werte stammen aus ungefähr 90-m-Rastern, nicht vom Stativpunkt.141 m statt Meereshöhe ändern in Trier 2026 C1 nur um etwa 0,05 s. Ein falscher Standort um einige Kilometer ist nahe dem Totalitätsrand viel bedeutsamer.
Meereshöhe der globalen KarteDie publizierten Pfade und SHOWs verifizierte Weltgeometrie beziehen sich auf das Erdellipsoid; lokale Höhe wird dort bewusst nicht eingerechnet.Die lokale Ereignisliste nutzt die Höhe, der gezeichnete globale Streifen bleibt ein Meereshöhen-Referenzpfad.
Zeit- und Ortsraster der IsolinienEine interaktive Weltkarte muss endlich viele Punkte und Zeiten verwenden.Konturen können lokal bis 2,565 Prozentpunkte vom sehr feinen Raster abweichen. Die Zahl in der Ereigniskarte kommt nicht aus diesem Gitter.
Wetter und EinstrahlungDas Liu-Jordan-Klarhimmelmodell kennt keine aktuellen Wolken, Aerosole oder Wasserdampfprofile.Der W/m²-Wert zeigt eine physikalische Größenordnung und den Verlauf, keine Wettervorhersage und keinen Belichtungsmesser-Ersatz.
Ausgegebene Sekunden sind Rechenauflösung, keine Garantie. Für automatisierte Aufnahmen während einer Totalität, einen Standort direkt am Streifenrand oder wissenschaftliche Messungen sollten aktuelle, ortsspezifische Ephemeriden mit Mondrandprofil und gemessener Position verwendet werden.

Was das in der Praxis bedeutet

Beispiel 1 · Partielle Sonnenfinsternis in Trier am 12. August 2026

SHOW berechnet 89,2 % Flächenbedeckung und etwa 5,7° Sonnenhöhe am Maximum. Die automatische GeoNames-Höhe beträgt ungefähr 141 m. Gegenüber 0 m verschieben sich die lokalen Kontakte nur um deutlich weniger als 0,1 s.

Praktische Aussage: Für die Uhrzeit ist die Höhe hier fast unwichtig. Entscheidend ist der Westnordwest-Horizont: Ein Hügel, Gebäude oder Wald über 5,7° macht das Maximum unsichtbar. Eine Standorterkundung ist wertvoller als weitere Dezimalstellen.

Beispiel 2 · Totalität nahe dem Streifenrand

Die glatte Geometrie kann einen Punkt wenige hundert Meter innerhalb der Totalitätszone zeigen. Der reale Mondrand besitzt aber Berge und Täler; außerdem können Koordinate und ΔT-Annahme den effektiven Abstand verändern.

Praktische Aussage: Wer eine sichere, längere Totalität möchte, fährt nicht auf die gezeichnete Grenzlinie, sondern mit Reserve in den Streifen. Direkt am Rand ist eine spezialisierte Limb-Profil-Rechnung erforderlich.

Beispiel 3 · Finsternis läuft über den Horizont

Für Trier am 26. Januar 2028 beträgt die nominale Bedeckung 67,2 %, sichtbar sind rechnerisch nur 32,1 % am Horizontdurchgang. Standardrefraktion entscheidet mit darüber, wann die Sonne formal sichtbar wird.

Praktische Aussage: Die 32,1 % sind ehrlicher als der nominale Wert, aber weiterhin bedingt: Ohne freien Horizont können real auch 0 % sichtbar sein.

Beispiel 4 · Polbahn 30. März 2033

Bei dieser extrem gestreckten Schattengeometrie liegen SHOWs Breitenwerte 2,8 bis 4,7 % über den NASA-Stützpunkten – deutlich mehr als bei gewöhnlichen Pfaden.

Praktische Aussage: Die Karte ist für Überblick und Reisegebiet geeignet, nicht um in Polnähe einen Platz unmittelbar an der mathematischen Grenze festzulegen.

Welche Werte wofür geeignet sind

hoch

Datum und Ereignisart

Robust für den schnellen Überblick über 10, 20 oder 50 Jahre.

hoch

Lokale Bedeckung

Auf eine Nachkommastelle sinnvoll; bei Horizontfällen an die Sichtbarkeitsbedingung gebunden.

hoch

Kontaktzeiten

Für normale Beobachtungsplanung sehr gut. Sekunden nicht als Garantie für Mondrandereignisse interpretieren.

km-Skala

Zentrallinie und Streifenbreite

Für Reiseplanung belastbar; gewöhnlich wenige Kilometer beziehungsweise etwa 1–3 %, bei extremen Polpfaden bis rund 5 %.

bedingt

Horizontsichtbarkeit

Gilt für einen mathematisch freien Horizont mit Standardrefraktion, nicht für das reale Gelände.

Modell

Einstrahlung und Mondhelligkeit

Zeigen Verlauf und Größenordnung. Keine Wetter- oder Helligkeitsvorhersage.

Die passende Lesart: SHOW beantwortet „Wann kann ich etwas sehen und wie könnte es aussehen?“. Für „Wo liegt die physikalische Grenzlinie auf wenige Meter?“ oder „Wann tritt ein bestimmtes Bailysches Perlenereignis ein?“ sind Spezialrechnungen nötig.

Quellen und Referenzen

Die Methodik stützt sich auf Primärquellen für Ephemeriden, Finsternisgeometrie und die verwendeten Standortdaten.

Astronomie und Referenzvergleich

Modellgrenzen und Standortdaten